Club der Chabozüchter von 1925


Philosophie

Unsere Mitglieder fühlen sich der sehr alten Tradition, die mit dem außergewöhnlichen Zwerghuhn verknüpft ist, verbunden. Wir wissen es nicht sehr genau, wann der Ursprung zu datieren ist, jedoch gibt es Belege für eine Zeit, die in das 16. Jahrhundert reicht.

Wir haben keinen Grund die Rasse zu modernisieren, weil in Asien so etwas Einmaliges geschaffen wurde, das es zu erhalten gilt. Dieses Bewusstsein begründet die Leidenschaft unseres Handelns. Eine Leidenschaft, die bekanntlich nicht nur von Erinnerungen leben kann, sondern handfeste Zeugnisse der Passion ausweist. Die damit verbundene Phantasie schränkt keineswegs die Individualität ein, sie ist im Gegenteil eine Herausstellung des Besonderen.

In Europa - besonders aber auch in Deutschland - haben angesehene Persönlichkeiten für einen Zusammenschluss der an den Chabo interessierten Frauen und Männern geworben, den Club gegründet und mit einigen Unterbrechungen in die Gegenwart geführt. Auch wenn es den Anschein hatte, dass es einem privilegierten Personenkreis vorbehalten war, sich mit solchen Tieren zu umgeben, so ist gleichzeitig zu erkennen,  in welchem Maße für eine Verbreitung geworben wurde. Die Ausstellungen waren es in den Anfängen und sind es auch heute, die neben dem Wettbewerb auch für die Typerhaltung sorgen. Es ist und bleibt aber ein Irrtum dies als das alleinige Ziel der Chabozucht anzusehen. Vielmehr liegt der Wert darin, dies als ein Ganzes zu verstehen.

Was ist denn dieses Ganze? Zunächst gibt es niemand, der sich dem Reiz dieser Zwerge entziehen und ganz bestimmt nichts Abstoßendes entdecken kann. Wer das  noch ziemlich vollständig vorhandene Verhaltensmuster der Zwerge aufzunehmen weiß, wird den schöpferischen sowie didaktischen Wert im Umgang mit den Tieren erkennen. Der Anspruchslosigkeit auf der einen Seite steht durchaus ein wirtschaftlicher Sinn gegenüber. Sechs bis sieben Chabohennen können einen kleinen Haushalt mit frischen Eiern versorgen. Weiter darf angenommen werden, dass auf einer kleinen Fläche und selbst in einem Blumengarten die Zwerge weder Schaden anrichten noch selbst  Schaden nehmen. Hier liegt der Anreiz für die Gestaltung eines kleinen Paradieses im eigenen Garten. Ob alt oder jung, ob Frau oder Mann, zuweilen  sind es ganze Familien, die eine Betätigung in einer ökologischen Nische praktizieren. Es mit Freude tun zu können, öffnet eine Sicht, die über den Bewertungstag einer Ausstellung weit hinausgeht. Viel mehr noch – es beeinflusst unmittelbar die Art und Weise wie wir unseren Platz in der Natur
sehen.  

Manfred Bartl